Erst seit März 2016 gibt es die neuen Wohnimmobilienkreditlichtlinien und schon jetzt haben sie zahlreiche negative Auswirkungen und werden stark kritisiert.

Verbraucherschutz ist zwar sehr wichtig, jedoch zeigen erste Erfahrungen, dass der Gesetzgeber hier deutlich bei der Umsetzung der europäischen Richtlinie über das Ziel hinaus geschossen ist.

Durch die neuen Vorgaben werden Banken gezwungen, viel schärfere Anforderungen an ihre Kunden für die Vergabe von Immobilienfinanzierungen zu stellen. Viel langfristiger muss nun der Berufs- und Lebensweg der Kunden abgeschätzt werden- dies verlangt die neuen Regulierungen der Kreditwürdigkeitsprüfung im Rahmen der Bonitätsprüfung - jedoch darf die Werthaltigkeit der finanzierten Immobilien keine primäre Rolle mehr spielen. Das hat zur Folge, dass einige der Kunden, die vor dem 20. März 2016 kreditwürdig waren, es nicht mehr sind und keine Finanzierung mehr erhalten.

Vor allem betroffen sind Verbrauchergruppen wie Rentner, junge Familien und Selbständige. Beispielsweise kann es passieren, dass Menschen im fortgeschrittenen Alter Schwierigkeiten bei einem Immobilienerwerb haben werden oder für Umbaumaßnahmen / Sanierungen keinen Kredit mehr bekommen. Lästig für alle Kunden sind auch die längeren Bearbeitungszeiten und der weitaus höhere Aufwand für die Beschaffung von Finanzierungsmitteln.

Als gesamtes betrachtet, ist die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie ein Beispiel für die mangelhafte Umsetzung einer EU-Richtlinie in nationales Recht. Alle positiven Faktoren müssen zukünftig von den Kreditgebern vernachlässigt werden und alle denkbaren negativen Faktoren fallen stärker ins Gewicht. Und dies hat Konsequenzen! Seit der Einführung der neuen Richtlinien im März 2016 gibt es eine Zunahme in der Kreditablehnung von ca. 20 bis 25 Prozent – so die ersten Aussagen aus der Branche. Auch wenn es noch keine offizielle Statistik über diese Werte gibt, spricht die Bundesbank bereits von einem Rückgang der Kreditvergabe und deutlich gestrafften Kreditvergaberichtlinien.

Es bleibt nun zu hoffen, dass der Gesetzgeber die negativen Auswirkungen einsieht und es eine Nachbesserung des Gesetzes zugunsten potentieller Immobilienkäufer geben wird.